Praxis, Homöopathie, Naturheilkunde
Praxis, Homöopathie, Naturheilkunde
Heilpraxis für Homöopathie und Komplementärmedizin
Heilpraxis für Homöopathie und Komplementärmedizin

Heilfasten

 

 

Als Fasten bezeichnet man den freiwilligen Verzicht auf feste Nahrung und Genussmittel für eine begrenzte Zeit. Insofern hat es einen besonderen Status unter den naturheilkundlichen Verfahren, denn im Prinzip wird nichts zusätzlich eingenommen oder behandelt, sondern stattdessen für eine Weile auf Nahrung verzichtet.

 

  1. Geschichte

 

Zeitlich begrenztes Fasten wird in den großen Weisheitstraditionen und Religionen seit Jahrtausenden praktiziert.

 

Von den beiden großen Religionsgründern Gautama Buddha (450-370 v.Chr.) und Jesus Christus (lebte vermutlich 4 v.Chr. -31 n.Chr.) wird berichtet, dass sie vor Beginn ihrer öffentlichen Lehren durch eine längere Fastenzeit gingen.

 

Eine interessante Quelle bezüglich des Fastens sind die Schriften der Essener, eine Lebens- und Glaubensgemeinschaft, die in der Zeit um und vor Christi Geburt im mittleren Osten lebte. Die am Toten Meer bei Qumran gefundenen Schriftrollen bezeugen eine intensive Fasten-Praxis.

 

Mahatma Gandhi (1869-1949), der große indische Freiheitskämpfer meinte, er könnte auf das Fasten ebenso wenig verzichten wie auf die Augen. „Was die Augen für die äußere Welt sind, ist das Fasten für die innere.“

 

Ein Pionier des so genannten Heilfastens war der deutsche Arzt Otto Buchinger (1882-1970). Er entwarf anfangs ein Fasten- Konzept für die stationäre Behandlung, welches u.a. auch andere Naturheilverfahren wie z.B. Wasseranwendungen, Bewegung und Pflanzenheilkunde einschloss. Das von ihm begründete Heilfasten hat sich bei Millionen von Menschen bewährt, die seither eine freiwillige Fastenkur zuhause oder stationär durchführten.

 

  1. Wirkungen

 

Die Menschheit hatte in den Urzeiten als Jäger und Sammler aufgrund von Nahrungsmangel immer wieder längere Fasten-Zeiten durchzustehen. Sie bezogen ihre Energie dann von den körpereigenen Fett-Speichern, welche sie sich in nahrungsreichen Zeiten zugelegt hatten. Solche Überlebensstrategien finden wir übrigens auch im Tierreich beispielsweise bei Bären, Murmeltieren oder Igeln, die sich im Herbst einen Winterspeck anfressen, von dem sie in den folgenden Monaten zehren. Insofern ist Fasten ein physiologischer und gesunder Prozess, bzw. dessen Unterlassung möglicherweise eine der Ursachen unserer sogenannten Zivilisationskrankheiten.

 

Kranke Kinder lehnen meist die Nahrung ab und verlangen nach Getränken,

wie z. B. frischen Säften. Sie wollen in Ruhe gelassen werden. Der kranke Organismus braucht zu seiner Gesundung Zeit und Kraft für sich selbst. Indem er fastet, erspart er sich die Verdauungsarbeit, die etwa dreißig Prozent des gesamten Energieaufwands beansprucht. Die dabei freiwerdende Energie kann zur Aktivierung der Selbst-Heilungs-Kräfte dienen. Fieber und Fasten steigern zusammen die Wirksamkeit des Immunsystems sowie die Ausscheidung von Stoffwechselprodukten und Toxinen. Durch Heilfasten vermag die Natur sich wieder leichter in ein gesundes Gleichgewicht bringen.

 

Fasten kann neben den körperlichen Reinigungsprozessen auch sehr heilsame seelische Umstellungen zur Folge haben. Fastende erleben die Gefühle intensiver, träumen mehr und erfahren eine Art innerer seelischen Reinigung. Diese kann mithilfe meditativer Übungen unterstützt werden. Viele Fastende suchen während dieser Zeit intuitiv die Stille und das Schweigen, um mit sich ins Reine zu kommen.

 

Dr. Hellmut Lützner, der in den 70- er Jahren viel zur Popularität des Heilfastens beitrug, definiert es folgendermaßen:

 

„Freiwilliges Fasten umfasst den Verzicht auf Nahrung und Genussmittel

für eine begrenzte Zeit (fünf Tage bis zwei Wochen), reichliche Flüssigkeitszufuhr

und regelmäßige Darmentleerung.“

 

Während des Fastens finden nach Lützner folgende Stoffwechselvorgänge statt:

• Normalisierung der Produktion von Verdauungssäften: Der Säuregehalt des

Magensafts verringert sich; die Gallensaftproduktion verstärkt sich zunächst,

um später dann abzunehmen.

• Reinigung: Durch die Einnahme von Glaubersalz werden die Darmzotten gereinigt und somit die spätere Aufnahme von Nährstoffen begünstigt.

• Förderung der Ausscheidung: Salz und Harnsäure werden aus dem Gewebe,

Cholesterin und Proteine aus den Gefäßwänden ausgeschieden. Ebenso werden

in das Bindegewebe eingelagerte Substanzen, die oft als Verhärtungen

(Myogelosen) spürbar sind, aufgelöst. Nach einigen Tagen scheiden auch die

Haut und die Lungen teils übel riechende Stoffwechselprodukte aus.

• Gewichtsabnahme: Diese ist lediglich ein angenehmer Nebeneffekt, denn im

Vordergrund steht die Umstimmung des Körpers, die eine Aktivierung der

Selbstheilungskräfte bewirkt.

• Klärung auf geistiger und seelischer Ebene.

 

 

  1. Anwendungen

 

Bei den vielen verschiedenen Möglichkeiten des Fastens lassen sich die folgenden medizinisch anerkannten Anwendungen unterscheiden:

 

• Wasserfasten: nur Quell- oder Mineralwässer sind erlaubt, 1 ½ Liter täglich

für Normal-, 2–3 Liter für Übergewichtige.

• Nulldiät: Wasserfasten unter Zugabe von Vitaminen und Mineralsalztabletten.

Wasserfasten wird oft in Krankenhäusern durchgeführt.

• Teefasten: dreimal am Tag zwei Tassen Kräutertee aus verschiedenen Kräutern.

Ohne Honig, d.h. null Kalorien. Es hat gegenüber dem Wasserfasten

den Vorteil, dass man warme und basenreiche Getränke zu sich nimmt.

• Schleimfasten: für Personen, die, was Magen und Darm angeht, empfindlich

sind, besonders gut geeignet, weil durch den Schleim die Schleimhäute schützend eingehüllt werden. Getreide- wie z. B. Haferschleimsuppen und Getränke wie beim Teefasten.

• Saftfasten: drei- bis fünfmal täglich ein Glas aus frisch gepresstem Obst- oder

Gemüsesaft. Zwischendurch Wasser.

• Molkefasten: 1 Liter Molke, über den Tag verteilt getrunken, ergänzt durch

Kräutertees und Frischpflanzensäfte.

• F.X. Mayr- Fasten: einige Tage Tee- Wasser- Fasten und daraufhin eine Milch-Semmel-Diät, bei u.a. der morgens und abends ein altbackenes Brötchen mit Milch gegessen wird.

 

Religiös motiviertes Fasten umfasst:

• Fastentag mit Wasser und Brot (allg. christliche Tradition)

• Verzicht auf tierisches Eiweiß jeglicher Art (also auch Milch und Milchprodukte)

und Genussgifte während der sechswöchigen Fastenzeit vor Weihnachten

und Ostern (ostkirchliche Tradition)

• tagsüber von Sonnenaufgang bis -untergang keine feste Nahrung zu sich nehmen (Fastenmonat der Moslems)

• Fasten-Praxis in verschiedenen Yoga-Systemen zur inneren Reinigung

 

 

  • Buchinger-Fasten

Das Buchinger-Fasten ist aus gesundheitlich-medizinischen Gründen besonders

zu empfehlen. Dessen Wirksamkeit wurde seit fast dreißig Jahren von unzähligen

Menschen (in Deutschland allein etwa 10 Millionen) erfahren.

 

Zu einem erfolgreichen Buchinger-Fasten verhelfen folgende Regeln:

 

1) Nichts essen – viel trinken: Keine feste Nahrung, nur Flüssiges zu sich nehmen: 2–3 Liter Wasser, Tees, Gemüse- und Obstsäfte, Molke, Gemüsebrühe.

2) Weglassen, was nicht lebenswichtig ist: Kein Nikotin, kein Alkohol, kein

Kaffee, keine Süßigkeiten. Keine rezeptfreien Medikamente wie Abführ- und

Schlafmittel. Wenn verordnungspflichtige Medikamente regelmäßig einzunehmen

sind, sollte der behandelnde Arzt unbedingt vor Beginn des Fastens

diesbezüglich befragt werden.

3) Ausscheidung fördern: Den Darm reinigen (Einlauf), die Nieren-Tätigkeit

anregen (viel trinken). Die Selbstreinigung durch viel Bewegung an der frischen Luft fördern, was die Ausscheidung der „Schlacken“ über Haut und Schleimhäute unterstützt.

4) Bewegungs- und Ruhephasen: Spazierengehen, schwimmen, gymnastische

Übungen. Dazwischen Ruhepausen mit Entspannen, Meditieren, Lesen, Musik

hören.

5) Sich von Beruf und Alltag lösen: Sich von den Berufs- und Alltags-Verpflichtungen lösen, in die Stille gehen, Verzicht üben. Ohne Fernsehen, Radio und Zeitung auskommen.

 

 

Der konkrete Ablauf einer Fastenwoche (nach Buchinger oder Lützner) kann kurz zusammengefasst etwa wie folgt aussehen:

 

• Entlastungstag: nur leichte Kost. Viel Wasser und Tees (vgl. unten)

trinken.

• 1. Fastentag: Glaubersalz zur Darmreinigung einnehmen. 30 g Glaubersalz

(= Natriumsulfat) in einem halben Liter trinkwarmen Wasser auflösen und

innerhalb von 15–20 Minuten trinken. Bis zum Abend sollten 2–3 Liter Wasser und Tees getrunken werden, um den dadurch hervorgerufenen Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Die Darmentleerung kann stattdessen auch durch einen Einlauf eingeleitet werden.

• 2.–5. Fastentag: zwei bis drei Liter Tees und Wasser tagsüber trinken. Bei

Kreislaufstörungen kann morgens ein Teelöffel Honig in den Tee genommen

werden. Eine Tasse Grüntee morgens ist erlaubt, ansonsten nur Kräutertees.

Rotbusch, Rosmarin oder Weißdorn regen den Kreislauf an. Mittags eine aus

frischem Gemüse zubereitete Brühe trinken. Tagsüber dürfen Frucht- und Gemüsesäfte in kleinen Mengen (insgesamt maximal ½ Liter, weil größere Mengen den Appetit zu sehr anregen) getrunken werden. Bewegungsübungen und Spaziergänge an der frischen Luft fördern die Stoffwechsel- und Entgiftungsfunktionen. Zur Darmreinigung entweder jeden zweiten Tag Glaubersalz wie oben beschrieben einnehmen oder täglich einen Einlauf mit 1 Liter handwarmen Wasser machen.

• 1. Aufbautag: vormittags einen reifen Bio-Apfel langsam essen,

gut kauen! Mittags eine Getreidesuppe (z. B. Dinkel) mit Knäckebrot,

oder eine gekochte Kartoffel mit etwas Quark. Abends eine Buttermilch mit

zwei Scheiben Knäckebrot und Quark. Weiterhin 2 Liter Flüssigkeit pro Tag

trinken.

An den folgenden drei Tagen wird allmählich die Nahrung wieder aufgebaut, wobei anfangs nur eine leichtverdauliche vegetarische Vollwertkost auf dem Speiseplan stehen sollte.

 

Nach dem Fasten braucht der Körper eine geringere Kalorienzahl. Das Sättigungsgefühl tritt schneller ein. In den ersten Tagen verträgt der Organismus kein gebratenes Fleisch, kein erhitztes Fett, keinen Alkohol und kein Eis. Nach dem Verzehr könnten Erbrechen, Bauchschmerzen, Sodbrennen und eine Magenverstimmung auftreten. Besonders gefährlich ist der Jojo-Effekt, d.h. ein übermäßiges, kompensatorisches Essen nach dem Fasten, weshalb die Selbstkontrolle des Essverhaltens eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Fastenkur darstellt.

 

  1. Indikationen

 

Bei den folgenden Erkrankungen kann Heilfasten hilfreich sein:

 

• rheumatische Erkrankungen

• Gelenkerkrankungen

• Hauterkrankungen, wie Neurodermitis, Psoriasis, Ekzeme

• Gicht, erhöhte Harnsäurewerte

• Typ II Diabetes (nur unter stationären Bedingungen fasten!)

• Verdauungsstörungen und Darmerkrankungen

• Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen

  • Fettleber und chronische Hepatitis

• allergische Erkrankungen, wie Heuschnupfen und Asthma

• Zur Steigerung der Abwehrkräfte

 

  1. Kontraindikationen und Einwände

 

Heilfasten darf bei den folgenden Erkrankungen nicht durchgeführt

werden:

  • ausgeprägte Schwächezustände, schwere Herz-Kreislauferkrankungen, Herzrhythmusstörungen, Nierenerkrankungen, Tumore und Krebserkrankungen, hormonelle Störungen wie z. B. Schilddrüsenüberfunktion sowie schwere Infektionskrankheiten (z. B. Tuberkulose oder AIDS). Patienten mit psychiatrischen Vorerkrankungen (endogene Depression, Psychose, manisch-depressive Störungen)
  • Essstörungen (Bulimie, Anorexia nervosa). Eine Fastenkur könnte diese Krankheitsbilder verschlimmern
  • Schwangere, Stillende, Heranwachsende und Kinder sollten nicht fasten.
  • Patienten mit Diabetes mellitus und Gicht dürfen nur unter stationären Bedingungen fasten.

 

Bedenklich ist Fasten aufgrund des sog. Jojo-Effekts:

Die Gewichtsabnahme beim Fasten ist eine erwünschte „Nebenwirkung“.

Meist sind es am Ende der ersten Fastenwoche bereits 4–5 kg, nach zwei

Wochen 8–10 kg bei Männern, bei Frauen aufgrund des weiblichen Hormonhaushalts etwas weniger. Allerdings müssen daraufhin die Ernährungsgewohnheiten grundlegend umgestellt werden, sonst kommt es evt. zur erheblichen Gewichtszunahme durch übermäßiges Essen nach Beendigung des Fastens.

 

Fasten im Berufsalltag ist eine erschwerte Form, birgt Gefahren, und sollte daher nur bei leichter beruflicher Beanspruchung (stressfreie Tätigkeiten) und von Menschen mit Fasten- Erfahrung durchgeführt werden:

• Fastende reagieren verlangsamt, die Konzentration und das Reaktionsvermögen

sind herabgesetzt;

• der Kreislauf kann vor allem bei ganztägiger Schreibtischarbeit geschwächt

sein;

• die Sehschärfe lässt beim Fasten etwas nach, was bei Computerarbeit stören

kann;

• Fastende sind emotional empfindsamer gegenüber Stress und negativen Situationen.

 

Dr. Schön

Terminvereinbarungen unter:

T: 0650 4328814   

 

für allgemeine Anfragen verwenden Sie bitte das  Kontaktformular oder mail an:

 

ordischoen@gmail.com

 

Ordination:

Arbeiterstrandbadstr. 118

1210 Wien

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